VEREINIGUNG (AK) 17. JUNI 1953 e.V.

P r e s s e

 

Absperrungen und Müll-Container: Skandal um Mauer-Kreuze

Diktatur-Opfer empört über Missachtung des Toten-Gedenkens

 

Berlin, 10.07.2010/ts -  Seit 1999 steht Gustav Rust (70) an der Ecke Ebert-/Scheidemannstraße Tag für Tag an den Mauer-Kreuzen gegenüber dem Reichstagsgebäude, um  die seither hunderttausenden Besucher über das Schicksal der an der Mauer ums Leben gekommenen Menschen zu informieren. Mit seinem vor drei Jahren verstorbenen Kameraden Rudolf Schröder pflegte der einst neun Jahre in DDR-Zuchthäusern eingesessene ehemalige politische Häftling seither liebevoll die Gedenkfläche, pflanzte Blumen und Sträucher, beseitigte den von Touristen achtlos hinterlassenen Unrat und besorgte zu den Gedenktagen ansehnliche Kränze, um auch optisch auf das Gedenken aufmerksam zu machen.

 

Nur wenige Tage war der inzwischen  weit über Berlin  hinaus bekannte „Pate der Kreuze“ in den vergangenen Jahren abwesend. Dann war er krank oder privat verhindert. So wie jetzt, als er zwölf Tage aus gesundheitlichen  Gründen in einer Klinik zubringen musste. Diese Vakanz nutzten offenbar Firmen, die sich sonst kaum an dem Hüter der Gedenkstätte vorbei trauten. So wurde anlässlich der Bundespräsidentenwahl auch die Gedenkstätte in den Absperrbereich einbezogen, die Kreuze durch Metallgitter versperrt und der Platz davor von Übertragungs- und Versorgungswagen verstellt. Angesichts der großen Hitze wurden auch die vorhandenen Pflanzungen nicht mit Wasser versorgt.  „Pietätlos“ nennt das die Vereinigung 17. Juni und fordert das verantwortliche Bezirksamt auf, „derartigem Gedenk-Vandalismus“ für die Zukunft „durch klare Regelungen“ vorzubeugen. Auch der Berliner Senat sei hier gefordert, sagt Vorstandsmitglied Tatjana Sterneberg: „Man könne nicht eine Gedenkstätte Bernauer Straße einrichten, um  sich andernorts der Verantwortung für existierende Erinnerungen an die Toten der Mauer zu entziehen.“

 

Seit vierzehn Tagen stehen nahe dem großen eichenen Holzkreuz, das ebenfalls von Gustav Rust vor Jahren erneuert wurde, mehrere überfüllte und gewaltigen  Gestank verbreitende Müll-Container, „für deren Abtransport sich offenbar Keiner verantwortlich fühlt,“ beklagt Sterneberg. So könne man nicht mit Gedenkstätten umgehen, egal, „ob diese den Toten der Weltkriege, den Opfern der ersten oder der zweiten Diktatur gewidmet seien.“

 

Die Vereinigung 17. Juni kündigte an, in der nächsten Woche eine öffentliche Mahnwache zu veranstalten, wenn die „für diese gedankenlose Schändung“ Verantwortlichen nicht umgehend handeln würden.

 

 

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Tatjana Sterneberg, Tel.: 030-30207778 – www.17juni1953.de - www.gustav-rust.de