Rathaus Schöneberg: „Das ist unglaublich!“                                       Erste Reaktionen auf den Eklat durch VOS-Bundesvize Lässig

Berlin, 29.07.2010/cw – Uns erreichten via Internet, durch die Post und per Telefon zahlreiche Reaktionen auf unseren Beitrag über den Eklat im Rathaus Schöneberg. Einige drucken wir nachfolgend ab.

28.07.2010

SPD Kreisverband Treptow-Köpenick

z.Hd. Olaf Igel

Sehr geehrter Herr Vorsitzender Olaf Igel,

ich bin langjährige Eiwohnerin im Ortsteil Altglienicke. In den Jahren 1956 bis 1976 habe ich in den Bezirken Treptow, Friedrichshain, Lichtenberg und Mitte eine lange Spur von Werten mit meiner Tätigkeit als Architektin und Bauwirtschaftlerin gelegt. Ich will mich hier jetzt nicht in Einzelheiten auslassen. Nur so viel sei gesagt, einige Wertobjekte sind Ihnen gut bekannt.

Den Dank des sozialistischen Vaterlandes erfuhr ich dann im Jahr 1976 mit meiner Inhaftierung durch das MfS. Hierzu will ich Sie auch nicht mit Einzelheiten aufhalten. Nur so viel sei gesagt, ich wurde zur psychischen Vernichtung in die Burg Hoheneck (Stolberg/Erzgebirge) eingefahren. Ich wurde überrascht, dass ich dort mit einer Vielzahl von Frauen der weiblichen DDR-Elite zusammen traf.

Eine von diesen war Tatjana Sterneberg.

Nun erfuhr ich heute durch eine Nachricht, dass Tatjana aus einer Veranstaltung *Pro Deutschland-Pro Berlin- kritische Nachbetrachtung des Bundesparteitages* am 27.07.2010, 19:00 Uhr im Rathaus Schöneberg aus dem John F. Kennedy Saal verwiesen wurde. Frau Sterneberg soll dort ganz ruhig und ohne Aufsehen gesessen haben und wartete auf den Beginn der Veranstaltung und einige Haftgefährten, die sich auch über die Veranstaltung informieren wollten.

Mir wurde auch mitgeteilt, dass der Kreisverband Treptow-Köpenick der SPD, Mitveranstalter der Podiumsdiskussion gewesen sein soll.

Ich protestiere mit Schärfe gegen die "Rausschmiss-Attacke"  gegen Tatjana Sterneberg. Bedenken Sie bitte, wir Frauen in Hoheneck haben Jahre unseres Lebens gelitten, dass sie heute die Freiheit haben, in diesem Saal in Schöneberg, Ihre Meinung frei und offen diskutieren zu können. Wer Tatjana Sterneberg rausschmeißt, verhöhnt alle Opfer des SED-Regimes. Ist es schon wieder soweit, dass wir uns verkriechen sollen? Ich bin wirklich empört und zu tiefst mit verletzt und traumatisiert.

Ich hoffe, Sie können mir eine gute Erklärung für diesen Affront geben.                       

Mit freundlichen Grüßen

Edith Fiedler

 

28.07.2010

Sehr geehrte Frau Fiedler,

 

vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre Nachfrage zu der gestrigen Veranstaltung.

Zunächst möchte ich betonen, dass ich hohen Respekt vor dem Mut von Menschen habe, die in der SBZ/DDR Widerstand geleistet haben. Ich habe dies auch in meiner politischen Praxis wiederholt zum Ausdruck gebracht und mich in unserem Bezirk intensiv für die Aufarbeitung der SED-Diktatur eingesetzt - und mir damit nicht nur Freunde gemacht. So möchte ich daran erinnern, dass aufgrund meiner Initiative eine erste Anwohnerstraße in Berlin nach einem Opfer des 17. Juni 1953 benannt wurde (Siegfried-Berger-Straße) und deshalb Ewiggestrige gegen mich bei der Einweihung demonstrierten. Ich reagiere deshalb auch sehr sensibel auf Vorwürfe, SED-Opfer würden benachteiligt werden.

Was die gestrige Veranstaltung anbetrifft, so handelte es sich gar nicht um eine öffentliche Veranstaltung. Aus diesem Grund waren Gäste gar nicht zugelassen. Eingeladen wurden die Vertreter der Veranstalter und die Mitglieder der Institutionen, die eingeladen hatten sowie Vertreter des Bündnisses gegen Pro Deutschland.

Wie in jeder anderen Veranstaltung, die nicht öffentlich ist, werden dann auch keine weiteren externen Gäste zugelassen. Das gilt überall in Deutschland bei Vereinsveranstaltungen so, zu denen Dritte auch nicht einfach hingehen können.

Weil Frau Sterneberg weder zu den Veranstaltern gehörte noch in einer der Organisationen Mitglied ist, die zu den Veranstaltern gehört, konnte sie an der Veranstaltung entsprechend auch nicht teilnehmen. Gleiches gilt für Herrn Carl-Wolfgang Holzapfel, ihr Lebensgefährte, der ebenso an der Veranstaltung teilnehmen wollte, dies aus den gleichen Gründen wie bei Frau Sterneberg aber nicht durfte.

Dass die beiden nicht an der Veranstaltung teilnehmen durften, hat demzufolge nichts mit Ihrem Status als DDR-Opfer zu tun. Wie Sie vielleicht wissen, trat als Referent bei dieser Veranstaltung Ronald Lässig auf, der sogar der stellvertretende Bundesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus ist. Daher kann gar nicht davon die Rede sein, DDR-Opfer seien von der Veranstaltung aufgrund Ihres Opferstatus ausgeschlossen worden. Gegen diesen Vorwurf möchte ich in aller Klarheit protestieren.

Sehr geehrte Frau Fiedler,

es freut mich sehr, dass Sie sich nicht haben "Unterkriegen" lassen vom alten DDR-System und auch weiter kämpfen - gerade in unserem Bezirk. Ich wünschte mir, es gäbe mehr davon. Denn ich muss leider sagen, dass ich mich gerade in meiner Arbeit gegen das Vergessen der SED-Diktatur in unserem Bezirk wenig unterstützt sehe von den Opfern der Diktatur, die noch heute in unserem Bezirk leben. So protestieren wir beispielsweise seit Monaten dagegen, dass in unserer BVV unbehelligt Stasi-Spitzel sitzen, die ihre frühere Tätigkeit in der BVV sogar verherrlichen, so wie es eine Bezirksverordnete Barbara Chrapek tut und sogar noch Solidaritätsbekundungen aus dem Publikum erhält. Ich wünschte mir, dass hier auch Opfer der SED-Diktatur stärker dagegen protestieren, dass die früheren Stasi-Spitzel bei uns ein solches Unwesen treiben.

Ich wünsche Ihnen persönlich alles erdenklich Gute, vor allem Kraft und Gesundheit.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Oliver Igel                                                                                                                                                                        
Vorsitzender der SPD Treptow-Köpenick                                                                                                                    Vorsitzender der SPD-Fraktion in der BVV Treptow-Köpenick

 

28.07.2010

Was sich dieser Vize erlaubt, ist die offene Diskriminierung von erwiesenen DDR-Opfern und Widerständlern.  Der Mann muss eine Strafanzeige mit Strafantrag bekommen. Die Republikaner waren zu keinem Zeitpunkt eine verbotene Organisation. Das undemokratische, stalinistische Gehabe dieses Herrn muss beendet werden. Was ist übrigens aus den diversen Strafanzeigen gegen diesen Herrn geworden? Die Zeit der Diktatoren müsste doch eigentlich
beendet sein?

S.K.

 

29.07.2010

irre, was da los ist!

 

M.J.

28.07.2010

Das ist unglaublich !

 

Ihre habt natürlich meine Solidarität.

 

Herzliche Grüße von D.

 

28.07.2010

 

Achtung Fehler!

Frau Sterneberg wurde nicht verurteilt, weil sie sich in einen  Italiener aus West-Berlin verliebt hatte, sondern weil sie deswegen eine so genannte Republikflucht beging.

 

R.B.