Berlin, 6.05.2010/cw - Da traut man seinen eigenen Augen nicht: Nach Angaben der Geschäftsführerin des „Sozialdienstes Katholischer Frauen (SKF)“ Monika Kleine, werden Müttern im Knast in Nordrhein-Westfalen „bereits zwei Stunden nach der Geburt“ die Kinder weggenommen. „Das traumatisiert beide, Mutter und Kind“, so Kleine gegenüber der Süddeutschen Zeitung (29.04.2010). Begründung dieses Skandals: In NRW-Gefängnissen gäbe es keine Mutter-Kind-Einrichtungen.
Ach was, noch nie etwas von Verlegungen in andere Strafanstalten gehört, Frau Justizministerin? Da beklagen sich Politiker besonders zu Gedenktagen über die „menschenverachtenden Zustände einer unmenschlichen Justiz“ in den ehemaligen Zuchthäusern der SbZ und späteren DDR, da erinnern Publikationen und Websites an das Schicksal von in DDR-Haftanstalten geborenen Kindern und deren dramatischer Vita und dann muss man anno 2010 von solchen Zuständen in einem bundesrepublikanischen Gefängnis lesen.
Da haben entweder gewisse „Fachleute“ ihre historischen Aufgaben nicht gemacht oder wir haben es auch hier mit einer beispiellosen Heuchelei zu tun: Die Vergangenheit anklagen, damit nicht zu sehr in der Gegenwart nachgefragt wird. In jedem Fall sollte die aufgezeigte Praxis umgehend einer Revision unterzogen, gegebenenfalls Verantwortliche zu eben dieser Verantwortung gezogen werden und gesetzliche Vorgaben dieser unmenschlichen Praxis endgültig einen Riegel vorschieben. Eine lohnenswerte Aufgabe für die neue Regierung in NRW.
Aber auch die Verfolgtenverbände der beiden Diktaturen in Deutschland sollten sich schnellstens positionieren und notfalls auch einmal Demonstrationen vor Hafteinrichtungen in NRW proben und durchführen. Wer denn sonst sollte hier seine Stimme glaubwürdiger erheben als jene, die einst unter den menschenverachtenden Zuständen einer unmenschlichen Justiz gelitten haben?
V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953 – holzapfellyrag@aol.com