Von Gabriel Berger
Es gäbe nun eine Chance, durch die Übertragung der Position des Bundespräsidenten an Gauck, mit seiner Person den Verdienst der Bürgerrechtler für Deutschland zu würdigen und zu belohnen, und das zum 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung. Aber nein, die Chance soll der kleinlichen Parteipolitik der CDU und FDP geopfert werden.
Ich gebe zu, dass Wulff ein integrer, aus der mittelmäßigen Masse herausragender Politiker ist, dessen politische Kariere noch lange nicht zu Ende sein sollte. Ich habe aber den Verdacht, dass die Nominierung Wulffs zum Präsidentschaftskandidaten von Merkels Hintergedanken inspiriert wurde, ihn als potentiellen Rivalen um das Kanzleramt elegant zu „entsorgen“. Solchen kleinlichen Überlegungen und dem völlig irrationalen Stolz der Parteien des bürgerlichen Lagers soll die einmalige Chance geopfert werden, Deutschland den besten und würdigsten Präsidenten der Bundesrepublik seit ihrer Gründung zu geben, der dazu noch die unbestrittene Gabe hat, Ost und West, sowie die unterschiedlichsten politischen Positionen zu einen. Die einzigen Gegner Gaucks sind die Handvoll ost- und westdeutscher Ewiggestriger. Selbst DDR-Nostalgiker verneigen ihre Köpfe vor der Würde und der Leistung Gaucks.
Nichts in der Politik ist naturgegeben. Das politische Spiel ist von Menschen erfunden worden, es kann auch von Menschen geändert werden. Ich habe eine Idee, die sehr abenteuerlich klingt, aber dennoch bedenkenswert ist. Wäre es nicht angebracht, von Seiten der ehemaligen DDR-Bürgerrechtler, ehemaliger Gegner und Opfer des DDR-Regimes die Kandidatur Gaucks zu unterstützen? Wäre es nicht angebracht, die CDU und FDP dazu aufzufordern, sich im politischen Ehrgeiz zurückzunehmen und diese einmalige gesamtdeutsche Chance anzunehmen und mitzutragen? Es zeugt von Größe, wenn man eigene Beschlüsse bei veränderter Lage korrigiert. Und mit Wulff sollte man sprechen. Er würde eine einmalige Größe zeigen, wenn er zugunsten Gaucks als des würdigeren Kandidaten verzichten würde. Ich bin mir sicher, dass er nach einem solchen Beschluss als der einmalige Held der deutschen Nation gefeiert würde.
Ich gehe davon aus, dass die Verfolgten und Opfer der DDR-Diktatur ihre Beziehungen und Kontakte zu Personen und Organisationen dazu nutzen könnten, eine solche Veränderung der Lage zugunsten Gaucks mitzuinitiieren und zu beeinflussen.
Ich denke, dass wir als ehemalige Gegner der DDR-Diktatur die moralische Pflicht haben, über Parteigrenzen hinweg die Kandidatur Gaucks für den Bundespräsidenten zu unterstützen.
Ich hoffe, dass sich die Opfer und Verfolgten meiner Meinung anschließen und vielleicht Ideen haben, wie man dieses Ziel doch noch erreichen könnte, trotz der derzeitigen Beschlusslage der Regierungsparteien.
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