Angst vor der Wahrheit?

Generalversammlung: VOS-Vorstand engagierte Personenschutz

 

Berlin, 9./10.April 2010/cw – Selbst alte Kameraden, die schon in den fünfziger Jahren in sibirischen  Lagern wie Workuta oder in den Zuchthäusern der DDR vieles erlebt hatten, konnten sich nicht erinnern: Zum ersten Mal in der sechzigjährigen Geschichte des „Verbandes der Opfer des Stalinismus (VOS)“ hatte der Vorstand Personenschutz engagiert.

Drei Bodyguards sollten die Generalversammlung vor Kameraden schützen, die in den letzten Monaten unangenehme Wahrheiten in  der Vorstandsetage aufgedeckt und heftig kritisiert hatten. In der Werbung der Personenschutzfirma heißt es: „Wir wahren die Privatsphäre unserer Kunden  aktiv, indem wir die Anwesenheit etwaiger Paparazzi oder unerwünschter Gäste ausmachen und diese des Platzes verweisen“.

„Die Angst muss groß gewesen sein, wenn man sich jetzt nach 60 Jahren in Stalinismus übt und Bodyguards gegen eigene Kameraden mobilisiert“, stellte am Rande der Tagung ein ehemaliger politisch Verfolgter resigniert fest. Er war seinerzeit zu einer hohen Zuchthausstrafe unter Ulbricht verurteilt worden. Nach Auskunft der Personenschützer waren diese von Ronald Lässig engagiert worden. Dessen Wahl zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden im Herbst letzten Jahres war wegen Verstoßes gegen das Wahlgeheimnis und die eigene Satzung der VOS vom Registergericht nicht anerkannt worden. Lässig war über die Aufdeckung dieses Wahlmanövers offenbar so ungehalten, das er sich nicht scheute, mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln gegen die Kritiker, welche die Wahl angefochten hatten, vorzugehen.

„Vielleicht treibt den Pressesprecher  ja auch nur das schlechte Gewissen für seine Aktionen und er hat wirkliche Angst vor den Folgen“, meinte dazu eine Frau, die ebenfalls in einem DDR-Zuchthaus eingesessen hatte.

Zum Entsetzen des Hotel-Personals begnügten sich die Personenschützer nicht mit der stillen Beobachtung dem Vorstand unliebsamer Kameraden, sondern provozierten  diese lautstark in der Eingangshalle. Schließlich bedrohten sie die friedlich in der Lobby Sitzenden sogar mit einem Hausverbot. Erst als das Rezeptions-Personal engagiert eingriff und sich vor „die friedlichen  Hotel-Gäste“ stellte, drehten die aggressiven Bodyguards ab und zogen  sich auf ihre Beobachtungsposten zurück.

Der Initiator konnte indes das Geschehen gelassen beobachten, nachdem er im zweiten Anlauf legal gewählt worden war. Seit heute darf sich der Pressesprecher auch offiziell als „stellvertretender Bundesvorsitzender“ bezeichnen. Neben Ronald Lässig (Berlin) wurden der bisherige Bundesvorsitzende Johannes Rink (Magdeburg) und der weitere stellvertretende Bundesvorsitzende, Geschäftsführer, Schatzmeister und ZDF-Fernsehrat Hugo Diederich (Berlin) in ihren Ämtern bestätigt.

Wie lange sich die Neu-Gewählten ihrer Ämter erfreuen dürfen, schätzen Beobachter der Szene hingegen skeptisch ein: Gegen Lässig wurde Strafanzeige wegen Betruges erstattet, sowie gegen ihn und Hugo Diederich Anzeige wegen Verstoßes gegen das Wahlgeheimnis. Gegenwärtig werden weitere Strafanzeigen  geprüft.

Zunächst aber wird – nach dem spektakulären Rausschmiss eines alten Kameraden in den Abendstunden – im Hotel Berlin am Lützowplatz in Berlin gefeiert: Am 10. April steigt zum 60. Jahrestag um 10:00 (bis 13:00) Uhr die große Jubiläumsfeier „mit viel Prominenz“, wie es in der Ankündigung heißt.

 

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